© 2017 Dr. Harald und Dr. Hergen Schultze

Aus der gemeinsamen Geschichte der Deutschen und Franzosen

erzählt und mit postalischen Belegen versehen von

Harald Schultze

In meiner Jugend habe ich Briefmarken gesammelt. Als ich als „reifer Mann“ etwas Zeit für eine ange- nehme Freizeitbeschäftigung fand, wollte ich darauf zurückgreifen. Bald stellte sich jedoch heraus, daß mich das nicht befriedigen würde: Was mir in meinen Sammlungen fehlte, war inzwischen teuer geworden. Nun, ich wäre in der Lage gewesen, es zu erwerben. Allerdings wäre das Ergebnis nicht das gewesen, was ich mir unter einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung vorstellte: Die fehlende Briefmarke, der fehlende Satz wird in das Album gesteckt, aber man wird kaum noch einmal danach sehen und schon gar nicht damit arbeiten. Eine Lösung fand ich, indem ich zwei meiner Interessen miteinander verband, das philatelistische und das historische.

Interesse für Geschichte hatte ich schon im Elternhaus entwickelt. Mein Vater, der einen langen Zeitraum überblicken konnte und sich selbst gern mit historischen Themen beschäftigte, hat mir viel erzählt und für historischen Lesestoff gesorgt. In der Oldenburger Nordwest-Zeitung vom 13.2.1958 bin ich zufällig abgebildet worden, als ich in der Landesbibliothek neben einem Stapel Bücher sitze, um mich mit den Problemen der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse zu beschäftigen, vielleicht ein erster Ansatz zur späteren Entwicklung des Juristen.

Das erste Thema, das ich mir vornahm, war das Schicksal der Hugenotten, das nun allerdings angeregt durch die mütterliche Seite; denn über meine Mutter führt eine lange Linie zurück zu Hugenotten (Herlan), die wegen ihres Glaubens aus Nordfrankreich fliehen mußten und zunächst Aufnahme in der Pfalz und – als die Franzosen dorthin nachrückten – letztlich in der Markgrafschaft Baden-Durlach fanden, dem „Ländle“ in der Sprache meiner Mutter. Ich stellte also ein Exponat mit dem Titel „Toleranz hat Tradition – Die Hugenotten in Deutschland“ zusammen und nahm damit an einem „Einsteigerwettbewerb“ teil. Das Material dieses ersten Versuchs habe ich später zum Teil in das erste, hier gezeigte Exponat einfließen lassen.

Das Wort „Wettbewerb“ bedarf der Erklärung. Es handelt sich um Ausstellungen, in denen man sein Exponat in verglasten Rahmen zeigen kann. Das Ausstellungswesen ist eingehend geregelt durch den Bund Deutscher Philatelisten. Es gibt auch Ausstellungen ohne Wettbewerb. Ich hatte mich aber von vornherein für den Wettbewerb ent- schieden, weil er allein dazu führt und mich auch dazu geführt hat, mein jeweiliges Exponat immer weiter zu entwickeln und zu verbessern. So habe ich im Laufe der letzten 13 Jahre an lokalen (Rang 3), regionalen (Rang 2) und nationalen Ausstellungen (Rang 1) teilgenommen, letztere auch mit internationaler Anerkennung. Nach dem „Einsteigerwettbewerb“ waren das insgesamt 20 Ausstellungen, die mir entsprechend viele „Goldmedaillen“ eingebracht haben. Auch für die Bewertung der Exponate gibt es eingehende Regelungen. Hinsichtlich der Medaillen muß man allerdings wissen, daß man damit nicht wie heute im Sport üblich etwas verdient hat, im Gegenteil wird man durch Rahmengebühren an den Kosten beteiligt. Da ich wenn irgend möglich zu den Ausstellungsorten angereist bin, oft gemeinsam mit Helga, habe ich auf diese Weise viele Gegenden in Deutschland kennen gelernt, in die ich sonst nicht gekommen wäre. So kam zu dem philatelistischen und dem historischen Erlebnis noch ein touristisches hinzu.

In diesem Zusammenhang mag man bei der Formulierung „historisches Erlebnis“ stutzen. Damit möchte ich etwas zum Ausdruck bringen, das mir selbst bei der Gestaltung der Exponate aufgefallen ist und von Besuchern, die sie sich angesehen hatten, auch bestätigt wurde: Mit den postalischen Belegen lassen sich Aspekte der gemeinsamen Geschichte der Deutschen und Franzosen aufzeigen, die man so in keinem Geschichtsbuch findet, vor allem nicht in der Anschaulichkeit aktueller Kommunikation, deren unverzichtbarer Träger die Post jedenfalls früher war.

Für die technische Herstellung der Blätter habe ich bewußt leichten Karton im Format DIN A4 plus gewählt. Dieses Format gibt an der rechten und der linken Seite je 1 cm mehr Platz für die postalischen Belege. Möglichst viel Platz für unterschiedliche Belege zu erhalten ist auch der Sinn der „Fenstertechnik“. Damit ist gemeint, daß man z.B. von einem Brief nur das zeigt, was thematisch wichtig ist. Handelt es sich etwa um den Stempel, wird der Rest des Briefes durch Schnitte hinter den Karton gebracht. Auf der folgenden Seite wird – erheblich verkleinert – ein Blatt von vorn und von hinten gezeigt, um diese Technik besser verstehen zu können.

So habe ich versucht, neben der historischen Abfolge eine unmittelbar darauf Bezug nehmende und sie erklärende bildliche Darstellung zu erreichen mit möglichst vielseitigen, mit einer Ausnahme (I. unter 5.5 / III. unter 3.2) immer neuen postalischen Belegen, nicht nur Briefen, Postkarten, Stempeln und Briefmarken. Die Belege sind weitgehend das Ergebnis jahrelanger intensiver Suche in Kisten der Händler und insbesondere auf Auktionen. Bei der Suche hatte ich mich mit dem Problem herum- zuschlagen, daß man z.B. für ein zoologisches Thema gut geordnetes Material aus der ganzen Welt vorfindet, nicht jedoch für eine neuartige, übergreifende historisches Abhandlung, die sich zudem auf zwei Länder beschränkt.

Die Abbildungen in diesem Band können den Eindruck der Exponate nur annähernd wiedergeben. So ist es etwa unmöglich, die Körperlichkeit eines mehrfach gefalteten und rückseitig mit einem Siegel versehenen Briefes aus dem 18. Jahrhundert zu erfahren. Immerhin kann man den roten Faden nachvollziehen, den ich durch die gemeinsame Geschichte der Deutschen und Franzosen gewoben habe, und das auch zu einer Zeit, zu der diese Belege nicht mehr vorhanden sein werden. Dabei denke ich vor allem an meine Söhne und an meine Enkel, wenn sie den Band zur Hand nehmen und sich darüber wundern können, was der Papa und der Opa in seiner Freizeit getrieben hat.

Berenbostel, im September 2016

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