© 2017 Dr. Harald und Dr. Hergen Schultze

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Texte zu Belegen Vortrag HABRIA ´07  (unter 3., a.E.)

 

Bl. 27, 1.Beleg: Portobrief von 1822  aus Augsburg nach Paris, 3. Rayon (R.3), mit 42 Décimes taxiert, mit dem Grenzübergangsstempel BAVIERE PAR STRASBOURG versehen. -

Bl. 27, 2.Beleg: Portobrief von 1826 aus Karlsruhe in das Elsaß, in den 1. französischen Rayon (BADE R 1). Er erhielt den Grenzübergangsstempel BADE PAR STRASBOURG und wurde für die Beförderung insgesamt mit 10 Décimes französischem Porto taxiert.-  In beiden Fällen hatte der Empfänger das gesamte Porto einschließlich des inländischen Anteils zu tragen, der jeweils oben links mit 20 bzw. 6 (Kreuzern) vermerkt wurde.

 

Bl. 28, 1.Beleg: Der „P.P.“- Stempel (Port Payé“) des württembergischen Postamts besagt,, daß der Empfänger das gesamte Porto bezahlt hat.  Das Austauschpostamt Straßburg versah den Brief deshalb mit dem entsprechenden Stempel „AED“ (Affranchissement Étranger jusqu´ à Destination).

 

Bl. 28, 2.Beleg: Brief vom 7.5.1850 aus Elberfeld, dort abgestempelt am 8.5.  Roter Grenz-übergangsstempel „PRUSSE STRASBOURG“ vom 10.5., rückseitig (rechts in Kopie) Um-spedierungsstempel „STRASBOURG A BALE“ No.1 vom 11.5. und Ankunftstempel Mont-béliard vom 12.5.50.  Taxvermerke: 7 Décimes bis Straßburg, weitere 5 Décimes (= 12) für die Beförderung nach Basel, nochmals 5 = 17 Décimes Gesamtporto zu zahlen in Mont-béliard.

 

Bl. 29, 1.Beleg: Brief vom 30. Juni 1841 aus Straßburg, in Kehl aufgegeben am 2. Juli und dort mit rotem Aufgabestempel versehen.  Außerdem wurde (in Köln) der ovale Verrechnungs- und Übergangsstempel „Baden“ angebracht, weil der Brief in ein außerbadisches Land ging, nämlich in das preußische Westfalen.  

Die vom Empfänger zu zahlenden Gebühren wurden (oben links) mit 3 1/4 Silbergroschen (Sgr.) bis zur taxischen Grenze, (oben rechts) mit +5 =8 1/4 Sgr. für den taxischen Transit und (unten links) mit +2 3/4 =11 Sgr. für die Beförderung zum Bestimmungsort durch die preußi-sche Post aufgeschrieben.

 

Bl. 29, 2.Beleg:  Die Portoersparnis durch einen „Forwarded Letter“ wurde auch noch in neuerer Zeit jedenfalls von einer Bank, die zu rechnen wußte, nicht verachtet.  Statt an ihrem Sitz in Straßburg ließ sie einen Eilbrief beim Postamt 1 in Kehl aufgeben (oben).   Inzwischen sind die Gebührensätze beiderseits des Rheins so weit angeglichen, daß sich diese Praxis wohl nicht mehr lohnt. 

 

Bl. 30, 1.Beleg: Eisenbahn-Grenzübergangsstempel BADE.STRASB / AMB (=ambulant)des Postamts Kehl vom 30.9.1859.  Der Brief erhielt noch am gleichen Tag den rechteckigen Zugstempel (unten links).  Der Nebenstempel B 6 K bedeutet Baden 6 Kreuzer, das ist der Zuschlag auf 3 Kreuzer für einen Brief nach Frankreich.  Die dementsprechende 9 Kr.- Freimarke wurde jedoch als ungenügend beanstandet, der Brief wurde wegen der höheren französischen Gewichtsprogression mit 6 (Kr.) nachtaxiert.

 

Bl.30, 2.Beleg: Bestätigungstempel des deutschen Postamts in Straßburg (nicht mehr PP, sondern PD = Port Destination) darüber, daß die volle Gebühr bis zum Bestimmungsort entrichtet worden ist, nämlich nach dem bilateralen Postvertrag mit Frankreich von 1872  30 Pf. , bevor am 1.1.1876 der geringere Tarif des Weltpostvereins von 20 Pf. in Kraft trat.

Vortrag im Briefmarken-Club Hannover von 1886 e.V. am 27.3.2007: Orte gemeinsamer Geschichte - Was Deutsche und Franzosen trennte und was sie verbindet

 

 

  • Gliederung verteilen  (Zettel 1)

  • Es stehen 5 Rahmen zur Verfügung, deshalb können nicht gezeigt werden:

 

aus 1  : Bl.7-9 (3), 2.3 = Bl.16 (1), 3.1Bl.17-19 (3), aus 4.2:  Bl.30 (1), 4.3 = Bl.33-34 (2), 5-5.2 = Bl.41-49 (9), 5.8 = Bl.66-70 (5), das sind insgesamt 24 Bl.

Auflegen: Bl. 1-6, 10-15, 20-29, 31-32, 35-40, 50-65, 71-84 = 60 Bl.

 

 

Zum Exponat insgesamt:

 

  • Umfaßt 7 Rahmen (hier auf 5 Rahmen verdichtet), s.o.).  Dreimal im Rang 3 gezeigt (Garbsen, Berlin, Laatzen), jeweils Gold + EP.  Inzwischen habe ich das Exponat (zum wiederholten Mal) überarbeitet und es auf 8 Rahmen erweitert, um es im Rang 2 vorzustellen (in Fallingbostel 24.-26.8.2007).

 

  • Thematik: Geschichte und Philatelie

 

Verbindung zweier Interessengebiete

Weg über „Hugenotten“ (1-Rahmen-Einsteiger-Exponat auf Deutscher Meisterschaft der Thematischen Philatelie Osnabrück September 2003), philatelistisch wie auch thematisch, letzteres allgemein auf dt.-frz. Verhältnis ausgeweitet 

 

  • Ober-Titel aus Buch, hrsg. im Auftrag des Deutsch-Französischen Kulturrats:

      „Franzosen und Deutsche - Orte gemeinsamer Geschichte“, München 1996. 

Um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen: Gleich auf Titelblatt ein Beispiel, das die Überlegungen einleitet, die dem Exponat zugrunde liegen:

Texte vom Titelblatt (Zettel 2)

Roten Faden entwickeln, Inhalt des Exponats soll dann die Entwicklung zeigen

Vorspruch vor Gliederung (Zettel 3)

 

  • Erfordert intensives Studium und Exzerpieren historischer Literatur, incl. Hilfsmittel Internet (neben allerhand Büchern inzwischen 13 Stehordner Material).  Diese Arbeit tritt eigentlich gar nicht in Erscheinung, Nachweis wird auch weder durch die Ausstellungsordnung noch durch das Bewertungsreglement des BDPh verlangt.

 

  • Im Gegensatz dazu wohl die studierte philatelistische Literatur, die bei einem derartigen Thema ähnlich umfangreich ausfällt.

 

Phila-Literatur (Zettel 2, unten)

 

Zu einzelnen Belegen:

 

  • Rolle der Belege in der Thematik

 

Aufforderung, auf besondere Belege aufmerksam zu machen.

Belege-Liste (Zettel 4, Mitte)

 

  • Danach handele ich hier aber nicht ab, sondern danach, was ich Ihnen heute thematisch-philatelistisch nahebringen möchte.

 

  • Ausgewählte Belege (ca. 15)  (Texte dazu: Zettel 5) 

 

  • 1.,   Bl.5    Feldpostbrief aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71

  • 1.,   Bl.6    PrivatGS zur Sedanfeier und französischer Sonderstempel 1970

  • 4.1, Bl.24  Eisenbahn-Grenzübergangsstempel BADE.STRASB/AMB

  • 4.1, Bl.25  Verrechnungs- und Übergangsstempel BADEN u. Kehl

  • 4.2, Bl.28  Überdruckbrief (u.a. PschA Straßburg)

  • 4.4, Bl.38  Gerichtsvollzieher Kehl, ausgelagert nach Renchen

  • 5.3, Bl.50  Berlin, Grande Armée

  • 5.3, Bl.51  Maximumkarte

  • 5.4, Bl.53  Pariser Ballonpost

  • 5.4, Bl.55  u. Bl.56  Dienstbrief Heinrich Stephan

  • 5.6, Bl.59  Kommandierender Admiral in Frankreich, Paris

  • 5.7, Bl.64  u. Bl.65  Wehrmachtauskunftstelle

  • 6.2, Bl.75  Brief der Organisation Todt

  • 6.2, Bl.77  Arbeiterpaket

  • 6.3, Bl.82  Brief in das KZ Buchenwald 

Texte zu den Belegen betr. Exponat „Orte“

1. Von Siegesfeiern zur Verständigung über Gräbern:

     Leipzig und Sedan, Verdun und Dünkirchen

 

Bl.5, Feldpostbrief aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71

1816 führte Friedrich Wilhelm III. im Gedenken an die Kriegstoten den „Totensonntag“ ein.  Eine vermutlich nicht unerwünschte Nebenfolge dieser Anordnung war, daß Siege unbelastet  vom Gedenken an die Toten gefeiert werden konnten.  So wurde der 2. September, an dem 1870 deutsche Truppen Stadt und Festung Sedan eingenommen hatten und der  französische Kaiser Napoleon II. in Gefangenschaft geraten war, zum „Jubelfest“.  Daß es dabei ebenfalls zu sehr vielen Toten kam, ist  postalisch nur selten dokumentiert.

Vorder- (in Kopie) und Rückseite eines Feldpostbriefs aus Dresden an einen sächsischen Soldaten.  Stempel  der Feldpost-Expedition von zwei aufeinander folgenden Tagen. Handschriftlicher Vermerk eines Feldwebels: “Adressat ist am 1. September in der Schlacht bei Sedan gefallen.“ Daraufhin ging der Brief zurück (blauer Retour-Vermerk auf Vorderseite) und wurde am 8. Oktober 1870  in Dresden ausgehändigt (Briefpost-Ausgabe-Stempel auf Rückseite).

 

Bl.6, PrivatGS zur Sedanfeier und französischer Sonderstempel 1970

Von Dauer war dagegen das ganz anders geartete Gedenken an die Toten der Kriege am Totensonntag oder am später eingeführten Volkstrauertag (links).  Erst als sich diese von Revanche freie Erinnerungskultur in Deutschland einbürgerte, konnten auch die Franzosen an einen wirklichen Frieden denken, den eine Taube über Kappe und Helm der ehemaligen Kriegsgegner auf einem Sonderstempel von 1970 symbolisiert (oben).  Bis dahin mußte aber noch der Schutt zweier Weltkriege beiseite geschafft werden.

 

4.  Vom Kampf am Rhein zur Europabrücke:

      Straßburg und Kehl

 

4.1 Postverbindungen über den Rhein

Bl. 24: Eisenbahn-Grenzübergangsstempel

Eisenbahn-Grenzübergangsstempel BADE.STRASB / AMB (=ambulant)des Postamts Kehl vom 30.9.1859.  Der Brief erhielt noch am gleichen Tag den rechteckigen Zugstempel (unten links).  Der Nebenstempel B 6 K bedeutet Baden 6 Kreuzer, das ist der Zuschlag auf 3 Kreuzer für einen Brief nach Frankreich.  Die dementsprechende 9 Kr.- Freimarke wurde jedoch als ungenügend beanstandet, der Brief wurde wegen der höheren französischen Gewichtsprogression mit 6 (Kr.) nachtaxiert.

 

Bl. 25: Verrechnungs- und Übergangsstempel BADEN und Kehl

Brief vom 30. Juni 1841 aus Straßburg, in Kehl aufgegeben am 2. Juli und dort mit rotem Aufgabestempel versehen.  Außerdem wurde (in Köln) der ovale Verrechnungs- und Übergangsstempel „Baden“ angebracht, weil der Brief in ein außerbadisches Land ging, nämlich in das preußische Westfalen.  

Die vom Empfänger zu zahlenden Gebühren wurden (oben links) mit 3 1/4 Silbergroschen (Sgr.) bis zur taxischen Grenze, (oben rechts) mit +5 =8 1/4 Sgr. für den taxischen Transit und (unten links) mit +2 3/4 =11 Sgr. für die Beförderung zum Bestimmungsort durch die preußische Post aufgeschrieben

 

4.2 Straßburg im Wechsel deutsch und französisch

Bl. 28: Wendebrief

Band-Maschinenstempel des Postscheckamts Straßburg  auf geschwärztem und gewendetem Vordruckbrief  (deshalb als „Wendebrief“ bezeichnet) des französischen Bureau des chéques de Strasbourg.

4.4 Besetzung und Evakuierung Kehls

Bl. 38: Gerichtsvollzieher Kehl, ausgelagert nach Renchen

Brief zur Zustellungsurkunde des Gerichtsvollziehers beim Badischen Amtsgericht Kehl (in Renchen) mit Dienstsiegel und Ortswerbestempel Renchen vom 18.3.1952.  Das Porto setzt sich zusammen aus

40 Pf. für einen Brief über 20 g und 45 Pf. Gebühr für die förmliche Zustellung.

 

5.  Von Besatzern zu Verbündeten:

     Berlin und Paris

 

5.3 Ungerufen: Napoleon zieht in Berlin ein

Bl. 50: Berlin, Grande Armée

Feldpostbrief vom 18.11.

1806  aus Berlin mit No. 26 Grande Armée des Feldpostamtes der kaiserlichen Garde.  Derartige Stempel wurden auf Briefen mit unfreier Aufgabe auf der Vorderseite abgeschlagen.  Der Empfänger hatte also das Porto für die Beförderung zu zahlen.  Dieses betrug im vorliegenden Fall 8 Decimen, wie es der entsprechende Taxvermerk ausweist.  Die Gebühr setzt sich wie folgt zusammen: 2 Decimen Mindestgebühr für einen Brief bis 7 Gramm Gewicht innerhalb der ersten Entfernungszone.  Da Paris in der 4. Zone innerhalb Frankreichs liegt und je 1 Dezimen für jede weitere Zone erhoben wurde, kamen 3 Dezimen  hinzu.  Auf die 5 Decimen Porto in Frankreich wurden für Briefe aus Preußen 3 Decimen aufgeschlagen.- 

Der Brief erhielt auf der Rückseite den roten Ankunftstempel vom 2. Dezember 1806. Er war mit dem ebenfalls auf der Rückseite sichtbaren Siegel des Absenders, des späteren Generals der Kavallerie Le Grange, verschlossen.

 

Ortsbrief  vom 1.2.1808 des „Conseiller d´Etat intendt. de la gde. armée“ (Staatsrat für Verwaltung) an den für die Versorgung zuständigen Beamten Lonnoy, Berlin,  Königstr. No. 31.  

Der rote Franchise-Stempel  wurde zum Nachweis der Portofreiheit angebracht.

 

Bl. 51: Maximumkarte zur Wiederherstellung des Brandenburger Tors 1958

 

Die Quadriga wurde Ende 1806 auf Befehl Napoleons für einen Triumphbogen zur Siegesfeier nach Paris transportiert.  Nach der Niederlage Napoleons wurde sie 1814 nach Berlin zurückgebracht. 1958 hatte man den ursprünglichen Zustand wiederhergestellt, ohne Eisernes Kreuz und preußischen Adler, die erst nach der Rückkehr aus Paris hinzugefügt worden waren; wodurch die Quadriga zum politischen Symbol wurde. Nun allerdings zeigte sie in die entgegengesetzte Richtung (oben).  Nach der Wiedervereinigung stellte man den Zustand des 19. Jahrhunderts her und drehte sie um. 

 

5.4 Deutsche belagern Paris: Ballonpost und Pariser Kommune

Bl.53: Pariser Ballonpost

„Par ballon monté“, am 9.12.1870 geschrieben, Aufgabestempel Paris (Bureau central) vom 10.12.1870, befördert mit dem am 11.12. 1870 aufgestiegenen Ballon „Le Général Renault“, der in eine andere Richtung als geplant flog und in feindlich besetztem Gebiet landete.  Rückseitiger Ankunftstempel Rozoy-en-Brie vom 1.3.1871 (links), z.Zt. der Beförderung ebenfalls besetzt, deshalb zusätzliche Verzögerung.

 

Bl.55 und 56: Dienstbrief Heinrich Stephan

Die Dauer der Belagerung ließ erwarten, daß die französische Regierung bald kapitulieren würde.  Der General-Postmeister des Norddeutschen Bundes, Heinrich Stephan (rechts sein Kopf mit dem Gebäude des General-Postamts, links), ging davon aus, daß die Truppen daraufhin Paris besetzen würden.  Um die Postversorgung in der besetzten Stadt zu sichern, setzte er am 26.1.1871 die folgende dienstliche Verfügung ab.

Norddeutscher Postbezirk (NPD), Dienstbrief des General-Postamts des NDP in Berlin vom 26.1.1871 mit Hufeisen-Stempel vom 27.1.1871 an die Ober-Postdirektion in Cöln . Der Brief sollte beschleunigt befördert und zugestellt werden, deshalb Vermerk „Cito!“; links unten Registriernummer des General-Postamts.  Rückseitig blaue Siegelmarke des General-Postamts des Norddeutschen Bundes und Ausgabe-Stempel Coeln 28.1.1871

In der Verfügung Stephans heißt es, die Ober-Postdirektion solle namentlich genannte Postbeamte unmittelbar nach der Kapitulation „von ihren gegenwärtigen Dienstgeschäften entbinden und anweisen, sich unverzüglich nach Paris zu begeben und  dort bei dem Administrator der Posten in den besetzten französischen Gebieten ...... zu melden“.

 

5.6 Paris unter deutscher Besatzung

Bl. 59: Kommandierender Admiral in Frankreich, Paris

Der Zugang zum Atlantik war das strategische Ziel, um von dort aus deutsche Kriegsschiffe, insbesondere die U-Boot-Flotte einsetzen zu können.  Deshalb befanden sich in Paris auch das Höhere Kommando der Marinedienststellen (rechts), von hier aus befehligte der „Kommandie-

rende Admiral in Frankreich“ (oben) alle Marineeinheiten im besetzten Gebiet. 

Feldpostbrief des Kommandierenden Admirals in Frankreich mit blauem Briefstempel, der die zugehörige Feldpostnummer 01 099 trägt (links unten), und Tagesstempel der Feldpost (rechts oben)

 

5.7 Berlin unter französischer Besatzung

Bl. 64 und 65: Wehrmachtauskunftstelle

Eine Merkwürdigkeit der französischen Besatzung stellt die Wehrmachtauskunftstelle (WASt) dar. Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges hatte diese  deutsche Wehrmachtsbehörde  ihre Arbeit in  Berlin  aufgenommen.  Sie sammelte planmäßig alle Unterlagen über Kriegsgefangene und Gefallene und gab darüber Auskunft.

Auf der Postkarte (oben ) bestätigt noch das englische „Official“ die Portofreiheit, obwohl die Aufsicht durch die Amerikaner, die die Dienststelle nach Berlin zurückgebracht hatten, längst beendet war. Daß  ein altes Formular aufgebraucht wurde, zeigen auch die zugesetzten  violetten Stempel, in  denen  von „Liquidation/Abwicklung“ die Rede ist; damals war offenbar noch nicht entschieden, ob die Dienststelle auf Dauer  bestehen  bleiben  soll.   Sie unterstand  zu dieser Zeit, wie der  Briefstempel  ausweist, der französischen Gruppe des Alliierten Kontrollrats.--

Lange Zeit war von „Abwicklungsstelle“ die Rede, bis die WASt dem Französischen Militärbefehlshaber von Berlin zugeordnet wurde, der auf dem Briefstempel aus dem Jahre 1955 firmiert.  Inzwischen war die Dienststelle über Waidmannslust nach Wittenau gezogen.  Das ist die Vorstufe zu der weniger als drei Jahre später folgenden Übertragung auf die Stadt Berlin , die die Dienststelle  noch heute  führt  und die Kosten  vom Bund erstattet bekommt. - Kriegsgefangenenpost war und ist nach dem Weltpostvertrag gebührenfrei (siehe violetten zweizeiligen Stempel).

 

6.  Von der Verdrängung zur Erinnerung:
     Vichy und Buchenwald

 

6.2  Hilfeleistungen des „nationalen“ Frankreich

Bl. 75: Brief der Organisation Todt

Brief mit Prägeeindruck „Kriegsmarine“ (oben links) und dreizeiligem Briefstempel Feldpost Nr. 09012 = Kriegsmarinewerft Lorient (Kanalküste) an die Firma Krupp, zunächst am 2.12.1941 befördert durch Kurierdienst der Organisation Todt  („OT“ im Kastenstempel), benannt nach Hitlers Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, dessen Abteilung Wiesbaden (Briefstempel) den Brief  „Frei durch Ablösung Reich“ am 5.12.1941, versehen  mit einem  Maschinenwerbestempel  des Heilbades, weiterleitete.

 

Bl. 77: Arbeiterpaket

Sobald die Arbeiter in Deutschland waren, sorgte die französische Staatseisenbahn S.N.C.F. dafür, daß sie Pakete aus der Heimat erhalten konnten (unten).

Paketkarte für ein Arbeiterpaket aus Frankreich an einen französischen Zivilarbeiter bei den Süddeutschen Spindelwerken in Ebersbach, Bahnstempel Arnay-le-Duc vom 23.8.1943, über den Bahnhof Bercy (Paris) geleitet, rückseitig Ankunftstempel Karlsruhe vom 2.9.1943, mit anhängender Zollerklärung in zweifacher Ausfertigung

 

 

6.3 Deutsche Massaker und Deportationen

Bl. 82: Brief in das KZ Buchenwald

Post aus Frankreich in das Lager Buchenwald ist sehr selten.

Ganzsachenkarte mit Zusatzfrankatur, französischem Spitzoval-Zensurstempel sowie deutschem Zahlenstempel als Eingangszensur

Triebkräfte gemeinsamer Geschichte: Vortrag im BCH am 11. 12. 2007-10-21

1. Einleitung

    

    Rückbesinnung auf ersten Vortrag am 27.3.2007 über „Orte gemeinsamer Geschichte“. 

    Thematik: Geschichte und Philatelie.

    Verbindung zweier Interessengebiete.

    Weg über „Hugenotten“ (1-Rahmen-Einsteiger-Exponat auf Deutscher Meisterschaft der 

    Thematischen Philatelie Osnabrück September 2003), philatelistisch wie auch thematisch,

    letzteres allgemein auf dt.-frz. Verhältnis ausgeweitet.

    Ober-Titel des ersten Exponats aus Buch, hrsg. im Auftrag des Deutsch-Französischen

    Kulturrats: „Franzosen und Deutsche - Orte gemeinsamer Geschichte“, München 1996.

 

2. Thema des zweiten Exponats

 

    „Triebkräfte gemeinsamer Geschichte - Was Deutsche und Franzosen entzweite und was 

    sie zusammenführt“.  HABRIA´07 zweites Mal im Rang 3 nach erheblichen Änderungen

    gegenüber der erstmals ausgestellten Fassung.

    Kein Vorbild mehr; statt - wie im ersten Exponat - am Beispiel von „Orten“ 

    Entwicklungen in der deutsch-französischen Geschichte aufzuzeigen, ist die Entwicklung

    selbst Thema des zweiten Exponats, indem ich nach den Triebkräften dieser Geschichte

    frage.  

    Hinweis auf verteilte Gliederung.  Aufzeigen: Roter Faden über alle Unterpunkte

    (---   Texte Titelblatt Triebkräfte), zusätzlich Entwicklung innerhalb des jeweiligen

    Unterpunkts.

    7 Rahmen, davon hier Auswahl im Umfang von 45 Bl. = nicht ganz 4 Rahmen (Bl. 1-4,

    6-7, 15-18, 25-27, 31-36, 41-48, 56-60, 61-66, 71-74 und 79-81. Die Gliederungspunkte

    1.4, 2.2, 2.3, 3.3, 3.6, 4.1, 4.4, 4.5, 5.3 und 5.4 werden also nicht „bebildert“. -

    Dazu thematische und philatelistische Erläuterungen (wenn technisch möglich, zusätzlich

    an Hand von Bildern).

 

3. Erläuterungen

    

  • zu 1.1  Burgund – eine verlorene Chance? (Bl.4)

 

            Philatelistische Vielfalt: Kaum Stücke aus dem Produktionsprozeß, z.B. Probedrucke,

            jedenfalls solche, die thematisch mehr aussagen als die Briefmarke schon selbst.  

           Beispiel 1: Über Jahrhunderte bestehende dynastisch bedingte Exklave Mömpelgard/

           Montbéliard und Reichenweier/Riquewihr der Herzöge von Württemberg M.E. wird 

           dieses Element zu Unrecht besonders hofiert. Dafür sind die weiteren Elemente 

           philatelistischer Vielfalt in meiner Sammlung  sehr reichlich vertreten.

 

  • zu 1.2  Elsaß-Lothringen: Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich  (Bl.7)

      

Bei einem Thema der historisch-thematisch Philatelie ergibt sich naturgemäß oft die

Möglichkeit, aber auch die Notwendigkeit, Belege postgeschichtlich zu erklären.

So bestand nach der deutschen Besetzung Elsaß-Lothringens zwischen dem besetzten

und dem unbesetzten Gebiet Frankreichs postalisch ein Schwebezustand.  Weil in dem 

besezten Gebiet eine deutsche Postbehörde eingerichtet worden war, kam es zu einem 

regelrechten „Postkrieg“ mit Frankreich, der philatelistisch den eigentlichen Krieg mit

Waffen dokumentiert.

Beispiel 2:  E-L 1              ( --  Texte zu Belegen Triebkräfte)

Beispiel 3: E-L 2

Beispiel 4: E-L 3

 

  • zu 1.3  Saargebiet und Saarland: Das Volk stimmt ab (Bl.16 und 17)

 

Das Thema gibt Gelegenheit, den Abstimmungsvorgang selbst auf zwei Blättern zu dokumentieren, und zwar den ersten im Jahr 1935.  Vom zweiten im Jahr 1955 ist mir bisher nur ein Beleg des eigentlichen Abstimmungsvorgangs bekannt geworden, der aber offenbar nicht den Postweg durchlaufen hat.

Beispiel 5: Saar 1             ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

Beispiel 6: Saar 2

Beispiel 7: Saar 3

Beispiel 8: Saar 4

 

  • zu 1.5  Französische Zone: Machtgewinn eingetauscht für Friedenssicherung (Bl. 26)

 

           Als Besatzungsmacht konnten die Franzosen Deutsche, denen sie völkerrechtswidrige

           Handlungen während des Krieges vorwarfen, aus zwingenden Sicherheitsgründen

           inhaftieren und in Lagern unterbringen.  Post aus derartigen Internierungslagern war

           nach dem Weltpostvertrag allgemein gebührenfrei.  Die folgenden Belege zeigen 

           allerdings Ausnahmen, die vielleicht in der Postvermittlung durch eine deutsche

           Behörde begründet waren.

     Beispiel 9:   Franz. Zone 1  ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

     Beispiel 10: Franz. Zone 2

 

  • zu 2.1  Wechsel der Ortsnamen in umstrittenen Territorien (Bl. 35)

 

Zu den bekanntesten Fällen von Umbenennungen aus Gründen der „Sprachhoheit“ zählen Saarlouis/Saarlautern und Vaudrevange/Wallerfangen.  Sie sind im Exponat natürlich enthalten.  Ich gehe hier aber den weniger bekannten Fall der Gemeinde Bous/Buß ein.

Beispiel 11: Ortsnamen 1   ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

Beispiel 12: Ortsnamen 2

Beispiel 13: Ortsnamen 3

 

  • zu 3.1  Deutsche Etappe: Überwachung des Wirtschaftsverkehrs (Bl. 43 – 45)

           3.2  Französische Wirtschaftskontrolle im Rheinland (Bl. 46 – 48)

 

      An Hand der unmittelbar aufeinanderfolgenden Zeiträume der Deutschen Etappe in 

      Nordfrankreich während des 1. Weltkrieges und der Französischen Wirtschafts-

      kontrolle des Rheinlands nach dem 1. Weltkrieg schildere ich, wie sich die 

      wirtschaftliche Ausbeutung des jeweils anderen Landes wenn nicht als Kriegsziel, so

      doch als gezielte Begleiterscheinung des Krieges auf beiden Seiten gleichen.  Und

      zwar mit Beispielen aus dem Bergbau und aus dem Bankenwesen.

      Beispiel 14: Dt. Etappe 1    ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

      Beispiel 15: Dt. Etappe 2

      Beispiel 16: Dt. Etappe 3

      Beispiel 17: Dt. Etappe 4

      Beispiel 18: Franz. WKontrolle 1

      Beispiel 19: Franz. WKontrolle 2

      Beispiel 20: Franz WKontrolle 3

      Dem zuletzt gezeigten Beleg schließt sich dann die französische Ruhrbesetzung mit

      drei Blättern an.

 

  • zu 3.4  Wirtschaftliche Einverleibung des Saarlandes durch Frankreich (Bl. 58, 60)

 

            Die französische Politik war geleitet von der Absicht, mehr zu erreichen als mit der

            Besetzung nach dem 1. Weltkrieg.  Damals mußte sie sich auf die Kontrolle der

            Saarbergwerke beschränken.  Jetzt sollten die Saarbergwerke dauerhaft

            für den Energiebedarf Frankreichs arbeiten.

            Beispiel 21: SL Bergbau 1   ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

            Beispiel 22: SL Bergbau 2

            Beispiel 23: SL Banken 1

            Beispiel 24: SL Banken 2

            Beispiel 25: SL Banken 3

            Beispiel 26: SL Banken 4 

 

  • zu 3.5  Demontage und Bewirtschaftung in der Französischen Zone (Bl. 62)

 

            Mit ihrer im engeren Sinne begrenzten Zone (ohne das Saarland) verfolgten die

            Franzosen von Anfang an weder nationale noch wirtschaftliche Anschlußpläne.  Umso

            rigoroser gingen sie jedoch bei der Bewirtschaftung der Ressourcen bis hin zur

            Demontage von Produktionsstätten vor.  

            Im Exponat stelle ich dies dar mit einer Reihe von begehrten Belegen aus der

            allgemeinen Tätigkeit der Mission Commerciale, des OFICOMEX Außenhandelsamt

            und der JEIA (Joint Export Import Agency) bis hin zur Auflösung der IG Farben-

            industrie, alles Begriffe, die dem FZ-Sammler bekannt sind.

            Weniger bekannt sind Belege, die die Abholzung des Schwarzwaldes betreffen. Die

            Franzosen waren in ihrer Zone nicht nur mit militärischen, sondern auch mit zivilen

            Dienststellen tätig, und zwar - fast von Anfang an - nebeneinander.  So auch im

            Bereich des Forstdienstes, der die einzige Aufgabe hatte, für Holzeinschlag zu sorgen.

            Beispiel 27: FZ Bewirtschaftung 1  ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

            Beispiel 28: FZ Bewirtschaftung 2

            Beispiel 29: FZ Bewirtschaftung 3

            Beispiel 30: FZ Bewirtschaftung 4

 

  • zu 4.3  Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Bl. 73)

 

Nachdem ich in dem Exponat zu dem Unterthema „4. Von der Propaganda zur Über-

zeugung“ die „Entnazifizierung“ des Postverkehrs und die Kontrolle der Presse behandelt habe, gehe ich auf den Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der 

            FZ und im Saarland ein.  Hier zeige ich zwei Belege aus der Anfangszeit.  Wie bei

            Zeitungen war die deutsche Bevölkerung auch beim Rundfunk wegen des anfäng-

            lichen Verbots deutscher Organe auf die deutschsprachigen Sendungen des 

            französischen Rundfunks angewiesen.

            Beispiel 31: FZ Rundfunk 1     ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

            Beispiel 32: FZ Rundfunk 2 

 

  • zu 5.1  Grenzen, die keiner mehr kennt (Bl. 79)

 

Am Ende des Bogens von der Territorialfrage über die sprachlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Formen der Beherrschung des jeweils anderen Landes/Volkes und damit zum Schluß des Exponats komme zurück auf  die früher trennenden Grenzen.  Wer weiß heute noch etwas über Deutsch-Avricourt, einen Ort an der früheren Grenze zwischen Deutsch-Lothringen und Frankreich, letzte deutsche Bahnstation beim Aufmarsch deutscher Truppen im 1. Weltkrieg ? 

Beispiel 33: Grenzen 1            ( --   Texte zu Belegen Triebkräfte)

Beispiel 34: Grenzen 2

 

Im Vergleich dieser vergessenen früheren Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich mit den heutigen läßt sich sehr gut erkennen, welche Veränderungen sich durch die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung für die einst beherrschende Territorialfrage ergeben haben. Brücken über den Rhein, lange umstrittene Grenze, fanden im Laufe der Zeit zu ihrer eigentlichen Funktion: Menschen, Städte und Völker beider Seiten zu verbinden.  Das wird mit den letzten 5 Blättern des Exponats (Briefen, Karten, Stempeln und Briefmarken) dokumentiert.

Außenseiter - Spitzenreiter; Veranstaltung des Consilium Philatelicum im BDPh, Bonn, 20.6.2009

 

  • Wanderung durch die Böhmische Schweiz und das Zittauer Gebirge, Endpunkt Oybin: Grab von Alfred Muschkau. Exponat auf der Postwertzeichen-Ausstellung 1881 in Wien: „Der deutsch-Französische Krieg 1870/71“. Kann als Vater der historisch-thematischen Philatelie gelten.

 

  • Was ist nun das neue, eine gewisse „Außenseiter-Rolle“ begründende Element?

    Seit Muschkau geht es in der historisch-thematischen Philatelie um die Beschreibung von Ereignissen, Organisationen oder Personen und innerhalb dieses Rahmens dann von Ent-wicklungen. Mein Anliegen ist es, die Entwicklung als solche zum Thema zu machen, und zwar die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Franzosen.

 

  • In diesem Exponat geschieht das an Hand der „Orte gemeinsamer Geschichte der Deutschen und Franzosen“. Inspiriert durch ein Buch, herausgegeben im Auftrag des Deutsch-Französischen Kulturrats: „Franzosen und Deutsche – Orte gemeinsamer Geschichte“, München 1996.
     

  • Gliederung verteilen (Letzte ausgestellte, aber inzwischen inhaltlich über-arbeitete und philatelistisch erweiterte Fassung, die allerdings bislang noch nicht aus dem Konzept in Blätter umgesetzt ist). 8 Rahmen á 12 Blätter = 96 Blätter, davon werden hier 24 Blätter gezeigt, und zwar Teil 1 vollständig sowie Abschnitte aus den Teilen 3 und 5. Repräsentativ kann diese Auswahl leider nicht sein.
     

     

  • Das Exponat geht der Frage nach, welcher Weg im Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen zurückgelegt werden mußte, bis es zum Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit im Jahr 1963 kam. Zunächst zeige ich unter 1. auf, wie die Kriege das Denken und Fühlen von Deutschen und Franzosen beherrschten, um dann unter 2. bis 6. die gemeinsame Geschichte an ausgewählten Orten aufzusuchen, die in das Bewußtsein beider Völker eingegraben sind. Dies geschieht nicht in einer schlichten historischen Abfolge, sondern im Zusammenhang der immer wieder durch Kriege geprägten Erlebnisse und Erinnerung von Menschen. Dabei finden wir sowohl Trennendes als auch Verbindendes, letzteres hier dargestellt als Ergebnis einer Entwicklung.
     

     

  • So entstehen „Geschichtsbilder“ (die man so aus keinem Geschichtsbuch kennt) = Motto des Deutschen Historikertages 2006. Unterschiede zwischen literarisch dargestellter und postalisch „belegter/belegbarer“ (= Beleg) Geschichte.

    Beispiel: (Bl.5,6) 2. September war lange Zeit wegen der erfolgreichen Schlacht der verbündeten deutschen Truppen im deutsch-französischen Krieg 1870/71 ein Feiertag ( siehe: Sonder-Ganzsachenkarte zum 25jährigen Jubiläum). In den Büchern liest man überhaupt viel über die Schlachten, die Frontbewegungen und über die Erfolge der Truppenführer, wenig oder gar nichts über den Alltag der Soldaten. Zeige unmittelbar neben den Belegen von Siegesfeiern die Vorder- und Rückseite eines Feldpostbriefs an einen sächsischen Soldaten. Handschriftlicher Vermerk eines Feldwebels: „Adressat ist am 1. September in der Schlacht bei Sedan gefallen“.

 

  • Historisch-thematische Exponate dieser Art begeben sich manchmal mehr oder weniger weit auf postgeschichtliches Terrain. Wenn allerdings z.B ein alter Fahrpostbrief vorgestellt wird (unter 5.1, Bl.51), legen schon die Regularien nahe, durch eingehende Erklärungen philatelistische Kenntnisse auch in der Postgeschichte nachzuweisen. Etwas kleinlich scheint mir ein Ratschlag, unter 4.1 der Gliederung nicht von „Postverbindungen über den Rhein“ zu sprechen, sondern etwa von Verkehrswegen, weil der verwendete Begriff aus dem postgeschichtlichen Vokabular stamme. Zu Beginn meiner Ausstellungstätigkeit erfuhr ich von Juroren, daß sie sich sogar überlegt hatten, das Exponat der Postgeschichte zuzuteilen. Dessen ungeachtet widme ich in einem weiteren Exponat mit dem Titel „Triebkräfte gemeinsamer Geschichte der Deutschen und Franzosen“, das demnächst auf der Rhein-Ruhr-Posta ´09 in Soest zusehen sein wird, ein ganzes Blatt den Doppelfrankaturen und Doppelporti in Elsaß-Lothringen, weil sie m.E. hervorragend den damaligen Territorialstreit zwischen Deutschland und Frankreich dokumentieren. Posthistorische Erläuterungen sind hier nicht Selbstzweck, sondern thematisch bedingt und dienen darüber hinaus dem Nach-,weis philatelistischer Kenntnisse. Ich hoffe natürlich, daß das die Juroren ebenso sehen. Der Titel hört sich übrigens bewußt ähnlich an wie der des hier vorgestellten Exponats, verfolgt aber eine andere Entwicklungslinie mit unabhängigen, neuen Inhalten.

 

  • „Außenseiter“ ist man mit derartigen „Geschichtsbildern“ auch hinsichtlich der Belegsuche. Im Gegensatz zu fast allen anderen Länder-, postgeschichtlichen oder thematischen Sammlern ist man für die Schilderung historischer Entwicklungslinien darauf angewiesen, sämtliche Kisten und Kästen auf Flohmärkten und bei Händlern durchzuwühlen und Auktionskataloge von der ersten bis zur letzten Seite durchzublättern. Geeignete Belege können sich überall verstecken! Erwähnen möchte ich noch, daß historisch-thematische Exponate besonders geeignet erscheinen, wertvolle alte Belege mit neuen , sog. modernem Material zu kombinieren. Beispiele finden Sie auf vielen Blättern meines Exponats.

 

  • Was ist noch „anders“ als bei den meisten anderen Exponaten?

    Philatelistische Vielfalt ist gut zu erreichen, - mit einer Ausnahme: Es gibt kaum geeignete Stücke aus dem Produktionsprozeß, z.B. Probedrucke, jedenfalls solche, die thematisch mehr aussagen als die Briefmarke selbst. Dennoch zeige ich einige, schon aus Rücksicht auf das Reglement und die Bewertung; manchmal sind sie einfach optisch ein gewinn. -

    Die Anforderungen an Juroren sind ohnehin schon hoch. Diese Exponate stellen m.E. besondere Anforderungen an die Juroren, die historisch und posthistorisch außerordentlich bewandert sein müssen.

 

  • Mir scheinen historisch-thematische Exponate mit dem Ansatz, geschichtliche Entwicklungslinien nachzuzeichnen, ausgesprochen arbeitsintensiv zu sein. Dabei meine ich neben dem Sammeln von Belegen und dem Kundigmachen in philatelistischer Spezial-literatur (s. Rückseite der Gliederung, inzwischen ebenfalls ergänzt) vor allem die Zusammenstellung einschlägiger historischer Fakten: Das allein macht bei mir z.Zt. 18 Stehordner und mehrere Zettelkästen aus. Diese Arbeit tritt eigentlich gar nicht in Er-scheinung; ein kurzer Nachweis, wie er zur Anmeldung eines Exponats verlangt wird, ist insoweit praktisch nicht zu erbringen.

 

  • Mein Ansatz ist in meinen Interessen verankert, u.a. geweckt durch die Herkunft mütterlicherseits aus Hugenottenfamilien (1-Rahmen-Einsteiger-Exponat auf Deutscher Meisterschaft der Thematischen Philatelie Osnabrück September 2003: „Toleranz hat Tradition: Die Hugenotten in Deutschland“) und durch Erzählungen meines Vaters über den Krieg in Frankreich, insoweit ist er nicht einfach übertragbar. Dennoch gibt es historische Entwicklungen, die ähnlich aufbereitet werden könnten. Als ich unmittelbar nach der Wende durch Polen reiste, in Danzig war, in Masuren, in den früher umstrittenen deutsch-polnischen Grenzgebieten, dachte ich, was könnte man nicht philatelistischen daraus machen und so ein wenig zum deutsch-polnischen Verständnis beitragen, wie ich hoffe, etwas zum deutsch-französischen Verständnis beizutragen.

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